Down-Kinder und trinken

Ich kann mich noch gut an die ersten Monate erinnern, in denen Tim ohne Mutterbrust auskommen sollte und aus einer Flasche trinken sollte. Eieieieieiei das war immer was. Was ne Aktion. Da er nicht saugen wollte, hat er irgendwann immer an dem Nuckel gekaut. Um die Geschwindigkeit zu erhöhen, wurden dann Nuckel mit größeren Löchern probiert. Das klappte aber nicht, weil er nicht schlucken wollte oder konnte. Jetzt mit über drei Jahren ist er auf Strohhalm umgestiegen (nach vielem Üben) und das ist ein echter Segen. Nicht nur, dass es gut für seine Mundmuskulatur ist, nein, jetzt trinkt er auch ganz andere Mengen. Dafür ißt er kaum noch was. Na ja, man kann ja nicht alles haben und zum Thema “Down und Essen” lohnt doch ein eigener Abschnitt.

Die Therapie in Baiersbronn

Und dann geht es los. Und ich  zum einen von Tim fasziniert, der sehr konzentriert mitmacht, und auch vom Konzept. Zuerst gibt es einen Teil Krankengymnastik, die den kleinen Kerl nach allen Regeln der Kunst durchwalkt. Dann folgt mein persönlicher Lieblingsabschnitt: „Mund und Zungenstimulation“. Ich denke dabei immer: Wieso haben wir das nur nicht früher gemacht? Denn Tim hat ein echtes Sabberproblem und das liegt in erster Linie daran, dass er mit allem, was seinen Mundbereich angeht, nicht viel anfangen kann. Die Lösung ist so einfach wie genial. Man bringe per Stimulation den Kleinen dazu, seinen Mundraum zu erfahren und dann auch noch gezielt einzusetzen. So wird er am Ende der Woche mit einer Pfeife pfeifen, mit einem Strohhalm trinken und die Zunge rausstrecken können. In der ersten Stunde sind Tim wahre Kronleuchter aufgegangen. Ich hatte so den Eindruck, er entdeckt zum ersten mal wirklich, was seine Zunge so alles kann, wenn er sie bewusst einsetzt. Oder was Lippen sind und was man mit dem Mund so machen kann. Es wird eine so genannte „Mundtüte“ zusammengestellt, die allen möglichen Krimskrams enthält, den man zu sehr sinnvollen Sachen einsetzen kann. Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem Aussprechen von Buchstaben. Dazu gibt es Bildkarten mit unterschiedlichen Lauten und Übungen dazu. Tim schaut eine Woche sehr interessiert und sagt keinen Ton. Was muss das ein Frust sein für die Therapeuten. Aber immer wenn wir auf dem Weg zu unserer Unterkunft sind, fängt er plötzlich an einen Laut, im wahrsten Sinne des Wortes, lautstark vor sich hinzusprechen. Das nächste Mal in der Stunde: Wieder keine einzige Regung. Erst am Ende der Woche lässt er sich dazu herab auch dort mal den einen oder anderen Laut bewusst zu sprechen.