Achtung, selbstgebastelte Theorie

Also: Ich versuche mal aus der Fülle an Infos zu erklären, was der Sinn und Zweck des Konzeptes von Frau Iven ist. Um es etwas steil zu formulieren: Das oberste Ziel der menschlichen Existenz liegt in der Kommunikation. Deshalb ist es wichtig, dass auch Menschen mit Beeinträchtigung, wollen sie am gesellschaftlichen Leben Teil haben, Sprechen lernen müssen. Wollen sie zudem eine Regelschule besuchen, so sind Lesen und Schreiben die Türöffner zum regulären Schulsystem. Iven geht davon aus, dass sich Sprache durch Wahrnehmung entwickelt. Wenn ich einen Apfel anfassen kann und ein Bild davon bekomme, wie schwer der ist und ob er mir schmeckt, assoziiere ich später bei dem Begriff Apfel automatisch die nötigen Informationen und mir läuft vielleicht sogar das Wasser im Mund zusammen. Menschen mit einer Beeinträchtigung können nun die Erfahrungen oft nicht so schnell abspeichern. Sie fühlen den Apfel nicht konkret, sie können mit seinem Gewicht nichts anfangen und wenn sie ihn nicht kauen können, fehlen ihnen eine Menge Informationen die zu dem Begriff „Apfel“ gehören. Etwas was ich aber nicht kenne, kann ich mir auch nur schwer merken, vor allem wenn es erst mal sinnfrei bleibt. Der Begriff “Ijhvjbsuiz” kann zwar was ganz dolles sein, aber wenn man davon keine Ahnung hat, wird man sich den nur sehr schwer einprägen können. Und so ergeht es Menschen mit einer Beeinträchtigung. Für die ist “Apfel” wie “Ijhvjbsuiz”. Nun kann ich versuchen, den Menschen die einzelnen Begriffe mit ihren Eigenschaften durch permanentes Üben  wie auswendig gelerntes Wissen ohne Sinngehalt einzutrichtern, oder ich versuche an ihrer Wahrnehmung zu arbeiten. Damit sie das nächste Mal, wenn sie einen Apfel in die Hand nehmen und dann hineinbeißen, die nötigen Informationen über dieses Wort erhalten und abspeichern können. Und auf dieser Ebene wird im Therapiezentrum Iven gearbeitet. Um es mit meinen einfachen Worten zu sagen: Es geht darum, Wahrnehmung zu schulen.