Irgendwie Anders

Eine besonders schwierige Phase ist, wenn man ES allen sagen muss. „Hallo, lange nicht gesehen, wann ist es denn bei euch soweit mit der Geburt“, „Tim ist schon da, aber ……“ irgendwie immer komisch, für beide Seiten. Einige gehen einem dann auch aus dem Weg, aber die meisten finden einen Umgang. Die eigene Familie ist natürlich auch nicht immer ganz einfach, denn so hat sich ja nun niemand das süße Wunschkind vorgestellt und bei der älteren Generation kommt dann noch mehr Unaufgeklärtheit dazu als bei einem selber. Wenn es einem wichtig ist, hilft hier nur werben, werben, werben und das am Besten mit dem kleinen Zwerg, der kleinen Zwergin. Und dann pendelt sich so nach und nach alles ein. Das Leben erhält manchmal seltsame Züge. Tim war in seinem ersten Jahr sehr viel im Krankenhaus und irgendwann hatte ich immer ein gutes Buch dabei und hab mich im Wartezimmer mit einer Decke einfach zum Schlafen hingelegt. Kräfte schonen hieß da immer die Devise. Und die Blicke von anderen sind einem irgendwann sowieso egal. Heute ist Tim ein kleiner Prachtzwerg und es fällt mir schon schwer, mich an dieses erste Jahr zu erinnern. Wenn mich heute ein Freund fragt: “Ssag mal ehrlich, wie ist denn das Leben mit Tim, wie fühlt es sich so an?“ Dann kann ich immer nur sagen: “Vom Gefühle her ganz normal“. Ich glaube, irgendwann ist das Phänomen Down Syndrom halt normal für den kleinen Kreis ,und erst wenn ich mit Tim unterwegs bin merke ich an den Blicken oder wenn ich anfange ihn zu vergleichen, wo er seine Schwächen hat. Genauso sehe ich dann aber auch die Schwächen der anderen Kinder, nur deren Verhalten gilt halt gesellschaftlich als „normal“: Bei Tims Taufe war der Aufhänger ein sehr schönes Bilderbuch, „Irgendwie Anders“, das von einem kleinen Wesen erzählt, das nirgends so richtig reinpassen will, weil es nun mal irgendwie anders ist.